Lang, lang ist es her...

Das Mittelalter:

Die Mühlengelster, ein aufgestauter Mühlenkanal, floss durch, beziehungsweise unter der Stadt durch. Sie begann weit vor der Stadt, betrieb dann die Bäckermühle, passierte an dieser Stelle die Stadtmauer in die Altstadt, trieb hier die Obermühle an, dann die Mittelmühle (Jetzt Kino), die Unter-Mittelmühle (Einfahrt Krankenhaus), und zum Abschluß die Untermühle in der „Kolonialschule“(jetzt Uni-Gelände). Dann floss sie parallel der Werra (ZollamtsPlatz), unterquerte die Brückenstraße und  mündete unterstrom der Werrabrücke (jetzt Fußgängertunnel) in die Werra. Pferdefuhrwerke klapperten über das holprige Kopfsteinpflaster, auf denen die Bauern ihr Getreide zur ehemals städtischen Obermühle brachten.

Im Jahr 1959 erwarb mein Vater, der Bäckermeister Hubert Erner, die Obermühle. Wie schon der Vorbesitzer Müllermeister Karl Bretthauser übernahm er die Gepflogenheit Brot im Umtausch zu backen. Darunter verstand mann, das die Bauern kein Geld für ihr Getreide erhielten, sondern Brotgutscheine. Diese für beide Seiten nützliche Regelung behielt er bei, baute aber als leidenschaftlicher Bäcker seinen Bereich immer weiter aus. Als erstes wurde ein riesiger Backofen aus Sandsteinen abgerissen. Im Inneren war er mit Sand gefüllt. Er wurde mit, für mich als Kind, furchteinflößenden Flammenwerdern beheizt. Die Lehrlinge mussten jeden Tag einen kleinen Öltank auf dem Dachboden mit Heizöl aus Fässern mit einer Handpumpe befülle. ??? Welch ein Fortschritt, gegenüber Kohlen schleppen.

Die Knetmaschine wurde über eine offene Transmission von der Mühle betrieben, und wenn abends Sauerteig geknetet wurde, musste immer erst die Gelster aufgestaut werden, um die Mühle mit der  Turbine in Gang zu setzen. Die Erweiterung des Backwarensortiments erforderten zudem den Anbau eines Ladenlokals.

Ende der 60er Jahre wurde die Mühlengelster und damit die Mühle stillgelegt, größere Veränderungen waren nun erforderlich.

Der Turbinenraum unter dem Haus wurde zu einem Keller ausgebaut, der Stauraum vor dem Rechen wurde zur Konditorei erweitert. In den Garten und an das ehemalige Gelsterbett wurde das Cafe gebaut angebaut. Große Sandsteine wurden bei den Ausschachtungen  gefunden. Erst später wurden dieses als Turm oder Tor am Gelstereinlauf durch die Stadtmauer erkannt.